Springe zum Hauptbereich
Alle Landesmuseen in Schleswig-HolsteinAlle Landesmuseen in SH

Die Hamburger Curiohaus-Prozesse

NS-Kriegsverbrechen vor britischen Militärgerichten

14.06. - 25.08.2019

Eine Wanderausstellung der KZ-Gedenkstätte Neuengamme.

„Wir stellen den Kampf erst ein, wenn auch der letzte Schuldige vor den Richtern der Völker steht“, schworen die Überlebenden des KZ Buchenwald wenige Tage nach ihrer Befreiung.

Die Bestrafung der für die nationalsozialistischen Gewaltverbrechen Verantwortlichen war ein wichtiges Anliegen der im Krieg gegen Deutschland verbündeten Länder. Der Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess fand weltweit Beachtung und gilt als Meilenstein der Rechtsgeschichte. Weniger bekannt ist, dass die Alliierten hunderte weitere Prozesse durchführten.

Das Curiohaus in Hamburg-Rotherbaum war von 1945 bis 1949 der wichtigste Gerichtsort für die Kriegsverbrecherprozesse in der britischen Besatzungszone. Hier fanden 188 Militärgerichtsverfahren gegen 504 Angeklagte statt. Wer waren diese Angeklagten, für welche Verbrechen wurden sie zur Rechenschaft gezogen? Wer waren ihre Opfer?

Die Ausstellung gibt einen Überblick über diese im Curiohaus verhandelten Prozesse und zeigt den Anteil ehemaliger Verfolgter an der juristischen Ahndung. Einführend stellt die Ausstellung Besonderheiten der britischen Strafverfolgung vor. Sie thematisiert Prozesse gegen unterschiedliche Gruppen von Täterinnen und Tätern. 

Ein großer Teil der Verfahren richtete sich gegen das Lagerpersonal des KZ Neuengamme. Aber auch Verbrechen an Häftlingen anderer Konzentrationslager wie Ravensbrück, Bergen-Belsen und Groß Rosen kamen hier vor Gericht. Zu den Angeklagten zählten auch Unternehmer und Firmenangestellte, etwa der Hamburger Firma „Tesch & Stabenow“, die „Zyklon B“ an die SS verkaufte und die Konzentrationslager belieferte. Weitere Prozesse richteten sich gegen die Verantwortlichen für Verbrechen an Gestapo-Häftlingen, an Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern und an Kriegsgefangenen.

Ein eigener Ausstellungsabschnitt ist den Nachwirkungen der Prozesse gewidmet. Angesichts des Kalten Krieges kam die alliierte Strafverfolgung abrupt zum Stillstand. Als Kriegsverbrecher Verurteilte wurden in den 1950er-Jahren vorzeitig aus der Haft entlassen und konnten nach bundesdeutscher Rechtsprechung Entschädigung beantragen. Viele Täterinnen und Täter wurden nie zur Verantwortung gezogen.

Die nächsten Termine der Ausstellung

Stephan Linck
Vortrag
Kirche und Kriegsverbrecher
Die kirchliche Haltung zur Entnazifizierung und NS-Verbrecherprozessen
Donnerstag 15.08.201919:00 Uhr
Jüdisches Museum

Das bekannteste kirchliche Wort nach dem Ende der NS-Herrschaft war die Stuttgarter Schulderklärung vom Oktober 1945, in dem der Rat der Evangelischen Kirche Deutschlands erklärte: „Durch uns ist unendliches Leid über viele Völker und Länder gebracht worden.“ Dieses Wort war aber innerhalb der Kirche sehr umstritten. Gerade in den norddeutschen Landeskirchen setzte sich schon bald eine Haltung durch, die Partei ergriff für ehemalige Nationalsozialisten und angeklagte Kriegsverbrecher. Stephan Linck zeichnet die Entwicklung in der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft nach, die in ihrer Mehrheit nichts wissen wollte von NS-Verbrechen und eigener Mittäterschaft.

Besonders geeignet für:

Erwachsene, Jugendliche

Moderator / Kurator

Dr. Stephan Linck, Studienleiter für Erinnerungskultur u. Gedenkstättenarbeit der Nordkirche

Veranstalter

Landesmuseen SH

Kosten

5 / erm. 4

zum Kalender hinzufügen
Katharina Stengel
Vortrag
Umstrittene Zeugenschaft
Auschwitz-Überlebende als Zeugen vor Gericht
Donnerstag 22.08.201918:30 Uhr
Jüdisches Museum

Die ehemaligen Häftlinge waren das wichtigste „Beweismittel“ in den Prozessen gegen die Täter von Auschwitz – so wie auch in den meisten anderen KZ-Prozessen. Hunderte von Auschwitz-Überlebenden sagten im Laufe der Nachkriegszeit als Zeugen aus. Sie unternahmen die schwierige Reise nach Deutschland vor ein deutsches Gericht in aller Regel freiwillig. In ihren Berichten und Aussagen werden die vielfältigen Perspektiven der Häftlinge und Überlebenden auf die Geschehnisse im Lager deutlich. Trotz ihrer unverzichtbaren Rolle in den NS-Prozessen wurde ihnen seitens der Justiz oft mit großer Skepsis begegnet. Dass sie nicht nur Zeugen, sondern auch Opfer der Angeklagten waren, beeinträchtige ihre Glaubwürdigkeit. Sie galten als voreingenommen, als rachsüchtig oder als zu emotional.
In der Veranstaltung soll am Beispiel der Auschwitz-Prozesse die schwierige Rolle der Opferzeugen dargestellt werden. Im Mittelpunkt werden die Motive, Erwartungen und Erfahrungen der Zeugen selbst stehen.

Besonders geeignet für:

Erwachsene, Jugendliche

Moderator / Kurator

Dr. Katharina Stengel, Fritz Bauer Institut, Frankfurt am Main

Veranstalter

Landesmuseen SH

Kosten

5 / erm. 4

zum Kalender hinzufügen
Landesmuseen Schleswig-Holstein
schliessen
Nach oben scrollen