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Zur Geschichte

Seit 1692 dürfen sich Juden in Rendsburg/Neuwerk aufgrund eines königlichen Privilegs niederlassen. Daher wird die Stadt neben Altona, Glückstadt und Friedrichstadt auch als sogenannte Toleranzstadt oder „religiöse Freistätte“ bezeichnet. Voraussetzung für die Niederlassung ist der Bau oder Erwerb eines Hauses. Ist diese Voraussetzung erfüllt, erhalten Juden das eingeschränkte Ortsbürgerrecht. 

Die Toleranzstädte bieten den Juden damit wesentlich bessere Lebensbedingungen, als an anderen Orten üblich. 1695 wird südlich der Stadt in Westerrönfeld ein jüdischer Friedhof angelegt. 1732 wird in Rendsburg/Neuwerk in der Prinzessinstraße eine erste Synagoge gebaut, von der aber keine baulichen Spuren überliefert sind.
 
In den 1830er Jahren wird eine neue Talmud-Tora-Schule in der Prinzessinstraße errichtet, die neben Religions- und Hebräischunterricht alle Fächer einer Elementarschule für jüdische Kinder anbietet. Das Schulgebäude gehört bis heute zum Ensemble des Jüdischen Museums.
1844/45 wird unmittelbar neben der Schule die Synagoge gebaut, die bis heute erhalten ist. Die jüdische Gemeinde hat damals mit etwa 300 Mitglieder, mehr als jemals danach. 

19. Jahrhundert: Die rechtliche Gleichstellung hat grundlegende Auswirkungen auf die jüdischen Gemeinden

Mitte des 19. Jahrhunderts (im Landesteil Holstein im Jahr 1863) werden Juden anderen Bürgern rechtlich weitgehend gleichgestellt. Es ist ein bahnbrechender Einschnitt in der Geschichte der jüdischen Gemeinden. Denn mit der sogenannten Judenemanzipation ist auch die Niederlassungsfreiheit verbunden. Viele Menschen verlassen daraufhin die Toleranzstädte und ziehen in Großstädte wie Kiel, Lübeck und Hamburg. Die jüdische Gemeinde in Rendsburg wird infolgedessen im Laufe der Jahrzehnte immer kleiner. 

1933 leben nur noch 30 Gemeindemitglieder in der Stadt. Während der Reichspogromnacht wird die Synagoge geschändet. Durch einen Sprengstoffanschlag wird der sogenannte Toraschrein zerstört. Im Zuge der „Arisierung“ wird die Synagoge verkauft und danach jahrzehntelang als Fischräucherei genutzt. 1942 ist die Jüdische Gemeinde Rendsburg nach fast 250 Jahren erloschen. Der Gemeindevorsteher, Julius Magnus, soll deportiert werden. Er nimmt sich zuvor mit seiner Ehefrau das Leben.

Nach dem 2. Weltkrieg: Die Synagoge gerät erst in den 1970ern wieder in den Fokus der Öffentlichkeit 

Ende der 1970er Jahre gerät die Synagoge - die seit der NS-Zeit als Fischräucherei genutzt wird - wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit. Sie soll mit Unterstützung von Stadt und Land restauriert und zum historischen Baudenkmal werden. 1985 wird dort ein Kulturzentrum eingerichtet. 1988 wird parallel das Jüdische Museum gegründet. 

Im Laufe der Jahre wird die Museumsarbeit immer stärker professionalisiert. 2002 wird das Jüdische Museum Teil der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf. Das Haus in der Prinzessinstraße 7 und /8 versteht sich ein seither als Museum, als historisches Baudenkmal und als Gedenkstätte für das einstige jüdische Leben im Land.

Besucher stellen immer wieder die Frage, warum die Synagoge nicht wieder als jüdisches Gotteshaus genutzt wird. Das liegt daran, dass die Rendsburger Gemeinde nach dem Zweiten Weltkrieg nicht wiedergegründet wurde, weil in ganz Schleswig-Holstein nur noch sehr wenige jüdische Mitbürger lebten. 

Warum die Synagoge nicht wieder als Gotteshaus genutzt wird

Das ändert sich erst in den 1990er Jahren, als sogenannte "jüdische Kontingentflüchtlinge" aus der ehemaligen Sowjetunion in die Bundesrepublik Deutschland einwandern dürfen - eine Geste der Wiedergutmachung. Infolgedessen siedeln sich rund 2.000 osteuropäische Juden in Schleswig-Holstein an. Seitdem wurden im Land insgesamt neun neue jüdische Gemeinden gegründet. In Rendsburg gibt es allerdings bis heute keine mehr.

 

 

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