Nachruf auf Joachim Liß-Walther
Mit großer Trauer nehmen wir Abschied von Joachim Liß-Walther, dem langjährigen Vorsitzenden des Freundeskreises Jüdisches Museum Rendsburg e.V. und einem engagierten Wegbegleiter unseres Hauses. Er verstarb am vergangenen Wochenende im Alter von 77 Jahren. Sein Tod hinterlässt eine spürbare Lücke.
Joachim Liß-Walther hat sich über Jahrzehnte hinweg mit großer Hingabe für das Verständnis des Judentums, für den interreligiösen Dialog, für Erinnerungskultur und gegen Antisemitismus in Kirche und Gesellschaft eingesetzt. Als ehemaliger Kieler Stadtpastor und langjähriger Vorsitzender der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Schleswig-Holstein war er eine prägende Stimme für ein respektvolles und verantwortungsbewusstes Miteinander der Religionen. Für sein Lebenswerk wurde ihm erst vor wenigen Wochen das Bundesverdienstkreuz durch Ministerpräsident Daniel Günther verliehen.
Dem Jüdischen Museum war Joachim Liß-Walther besonders verbunden. Seit 2017 stand er dem Freundeskreis unseres Hauses als Vorsitzender vor. Mit viel persönlichem Engagement unterstützte er die Arbeit des Museums, gab Impulse für Projekte, organisierte unvergessene Exkursionen und bereicherte das Programm mit eigenen Vorträgen oder Klavierkonzerten.
Als Vorsitzender leitete er die Arbeit des Freundeskreises mit klarer Struktur, Verlässlichkeit und einem feinen Gespür für die Menschen. Dank seiner freundlichen Art, die Gespräche in den Vorstandssitzungen zu lenken, führte manch lebhafte Diskussion zu guten Ergebnissen. Wer ihm begegnete, erlebte einen sehr zugewandten und freundlichen Menschen. Der ehemalige Pastor interessierte sich aufrichtig für seine Mitmenschen, hörte aufmerksam zu und nahm sich Zeit für Gespräche. Begegnungen mit ihm waren von Offenheit und Respekt geprägt. Auch dort, wo unterschiedliche Meinungen aufeinandertrafen, blieb immer Raum für Wertschätzung, Austausch und Klärung.
Besonders am Herzen lag ihm die Verbindung von Erinnerung und Gegenwart: Gedenken verstand er nie als bloßen Rückblick, sondern als Auftrag für die Gegenwart und die Zukunft. Das galt auch für sein Herzensthema, vergessene jüdische Musiker*innen und ihre Werke neu zu entdecken und erklingen zu lassen. Im Dialog zwischen Religionen und Menschen sah er eine wichtige Möglichkeit, Antisemitismus und Ausgrenzung in der Gegenwart zu begegnen und ihnen entgegenzutreten. Viele Initiativen, die er angestoßen oder begleitet hat, haben Spuren hinterlassen und wirken weiter. Sie stehen für seine Überzeugung, dass Verständigung nur dort wachsen kann, wo Menschen einander zuhören, voneinander lernen und Verantwortung für die gemeinsame Geschichte übernehmen.
Wir sind Joachim Liß-Walther für seine Verbundenheit mit dem Jüdischen Museum Rendsburg und für sein langjähriges Engagement zutiefst dankbar. Unser aufrichtiges Mitgefühl gilt seiner Frau Dorothea Walther und allen, die ihm nahestanden. Mit ihm verliert unser Museum einen engagierten Unterstützer und einen Menschen, der unsere Arbeit über viele Jahre hinweg begleitet und geprägt hat. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.