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Geschichte grenzüberschreitend erzählen

Das Jüdische Museum in Rendsburg war Teil des deutsch-dänischen Projekts „Hope & Despair“, das von Mai 2023 bis April 2026 neue Formen der grenzüberschreitenden Geschichtsvermittlung entwickelt und erprobt hat. Im Mittelpunkt stand die Entwicklung von hybriden Formaten zur Vermittlung der Geschichte des Nationalsozialismus und des Holocausts, mit dem Ziel neue Zielgruppen zu erreichen. Das Projekt verband dafür Museen, Gedenkstätten, Hochschulen und Tourismusorganisationen auf beiden Seiten der deutsch-dänischen Grenze.

Für das Jüdische Museum war das Vorhaben auch inhaltlich von besonderer Bedeutung, denn jüdische Geschichte in Schleswig-Holstein ist immer auch Teil der deutsch-dänischen Geschichte. Gerade die wechselvolle Vergangenheit der Region zeigt, wie eng erinnerungspolitische und -kulturelle Perspektiven miteinander verbunden sind. Im Projekt stellte sich immer wieder die Frage, wie sich gemeinsame Geschichte aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten lässt und wie ihre Relevanz für die Gegenwart vermittelt werden kann.

Mirjam Gläser, die das Projekt für das Museum betreute, formulierte dies so: „Jüdische Geschichte in Schleswig-Holstein ist auch dänisch-deutsche Geschichte. Und diese wechselvolle Geschichte der deutsch-dänischen Beziehungen zeigt, wie brüchig politische Beziehungen sein können. Wie können wir die Geschichte aus einem anderen Blickwinkel betrachten? Wo liegen die Unterschiede und Gemeinsamkeiten in unserem Blick auf die Vergangenheit? ‚Lernen aus der Geschichte‘ ist nicht nur in deutschen Schulen ein wichtiges Thema, wie sieht es in Dänemark aus und was wird dort als zentrales Thema verhandelt? Was können wir aus unserer gemeinsamen Geschichte für die Zukunft lernen? Das sind alles Fragen, die wir im Laufe des Projektes näher beleuchtet haben.“

Weitere Informationen zum gesamten Projekt finden Sie HIER...

Thematischer Ausgangspunkt des Projektes war das Spannungsfeld zwischen Hoffnung und Verzweiflung – also zwischen Widerstand, Überleben, Verlust und Erinnerung. Es wurden Vermittlungs- und Schulungskonzepte sowie touristische Formate entwickelt, die historische Orte, Geschichten und Zusammenhänge nicht nur für ein Fachpublikum, sondern auch für junge Menschen, Erwachsene und internationale Gäste zugänglich machen. Dabei ging es ausdrücklich nicht nur um neue Produkte, sondern auch um neue Formen der Zusammenarbeit und um ein tieferes Verständnis dafür, wie Erinnerungskultur in Deutschland und Dänemark unterschiedlich geprägt ist.

An dem Projekt arbeiteten sieben Museen und Gedenkorte, vier Bildungseinrichtungen und drei Tourismusorganisationen eng zusammen. Zu den beteiligten deutschen Partnern zählten unter anderem die KZ-Gedenkstätte Neuengamme, die KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte Ladelund, die KZ-Gedenkstätte Husum-Schwesing sowie das Jüdische Museum in Rendsburg. Auf dänischer Seite wirkten unter anderem das Frøslevlejrens Museum, Museum Kolding und Billund Kommunes Museer mit. Ergänzt wurde das Netzwerk durch Hochschulen und Forschungspartner wie die Designskolen Kolding, die Europa-Universität Flensburg, die Fachhochschule Kiel und das Sonic College der UC SYD.

Gerade die unterschiedlichen Erinnerungskulturen erwiesen sich im Projektverlauf als Herausforderung und Bereicherung zugleich. Immer wieder musste gemeinsam ausgehandelt werden, welche Bildsprache, welche Symbole und welche Erzählformen in beiden Ländern angemessen sind. Diese intensive Abstimmung führte zu einem vertieften fachlichen Austausch zwischen Historiker*innen, Designer*innen, Pädagog*innen und Tourismusexpert*innen. Dadurch wurde deutlich, dass grenzüberschreitende Zusammenarbeit nicht nur inhaltliche Abstimmung verlangt, sondern auch die Bereitschaft, Denkweisen, unterschiedliche historische Voraussetzungen und Vermittlungsstile der jeweils anderen Seite wirklich zu verstehen.

Die Ergebnisse des Projektes sind vielfältig. Zu den sichtbarsten gehört die sogenannte Triangular Exhibition, eine mobile Installationsform für Außenausstellung. Sie arbeitet mit Ton, Grafik und räumlicher Orientierung. Das im Projekt entstandene Buch „Ich war hier“, verbindet kurze persönliche Erzählungen mit einer zugänglichen visuellen Gestaltung. Erzählt werden Biografien von Verfolgten aus den verschiedenen teilnehmenden Museen und Gedenkstätten. Ergänzt werden diese Formate durch eine Podcast-Reihe, digitale Erzählformen sowie grenzüberschreitende Unterrichtskonzepte und Tourismusangebote, die die historischen Orte in neue Zusammenhänge setzen.

Auch für den Tourismusbereich war „Hope & Despair“ ein besonderes Vorhaben, weil es darum ging, ein komplexes und sensibles Thema so zu vermitteln, dass es nicht verharmlost wird und zugleich Interesse weckt. Damit wurde ein Ansatz erprobt, der Geschichtsvermittlung und touristische Erschließung nicht gegeneinander ausspielt, sondern sinnvoll miteinander verbindet.

Die Leitung des Projekts lag bei der Designskolen Kolding, die ihre Expertise zu den Themen Design, Beteiligungsprozessen und Storytelling einbrachte. Weitere fachliche Impulse kamen aus Forschung und Lehre, etwa durch das Sonic College mit Erfahrungen in Klang und Vermittlung sowie durch die Hochschulen in Kiel und Flensburg. Die enge und konstruktive Zusammenarbeit über Ländergrenzen und Disziplinen hinweg war dabei ein wesentlicher Bestandteil des Projekterfolgs.

„Hope & Despair“ wurde mit rund 1,2 bis 1,3 Millionen Euro aus Interreg-Mitteln der Europäischen Union gefördert. Die Förderung ermöglichte es, ein breit aufgestelltes Netzwerk aufzubauen und über drei Jahre hinweg gemeinsam an neuen Vermittlungsformen zu arbeiten. Das Projekt lief von 2023 bis 2026 und ist inzwischen abgeschlossen.

Für das Jüdische Museum in Rendsburg war die Teilnahme an „Hope & Despair“ eine wichtige Erfahrung, die neue Kontakte, Perspektiven und Formate hervorgebracht hat. Viele der im Projekt gewonnenen Erkenntnisse werden auch künftig in die museale Arbeit und in die Vermittlung grenzüberschreitender Geschichte einfließen. Das Projekt hat damit nicht nur konkrete Ergebnisse hinterlassen, sondern auch einen nachhaltigen Beitrag dazu geleistet, wie Geschichte im deutsch-dänischen Raum gemeinsam erzählt werden kann.

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