Erinnern am authentischen Ort
Das Projekt DENK MAL AM ORT findet erstmals im Rahmen von vier Veranstaltungen in Rendsburg statt – zwei davon im Jüdischen Museum.
Ziel ist es, die Geschichten von Menschen sichtbar zu machen, die während der NS-Zeit ausgegrenzt, verfolgt, deportiert und ermordet wurden. Im Zentrum steht dabei eine besondere Form des Erinnerns: die Rückkehr an authentische Lebensorte. Wohnungen, Häuser und Straßen werden zu Orten der Begegnung, an denen Vergangenheit und Gegenwart aufeinandertreffen. Wenn Nachkommen an die Orte zurückkehren, an denen ihre Familien einst lebten, entstehen Gespräche über Generationen und Grenzen hinweg. Wie fühlt es sich an, heute an einem Ort zu leben, an dem einst Unrecht geschah? Und was bedeutet es, als Nachfahr*in dorthin zurückzukehren? DENK MAL AM ORT eröffnet Perspektiven, die Erinnerung erfahrbar und gegenwärtig machen. 2026 ist Rendsburg erstmals Teil dieses Projekts.
>>>Sonnabend, 16. Mai, 11 Uhr
Ausstellungseröffnung: "Schulkinder wie wir"
Jüdisches Museum, Prinzessinstraße 7-8, Rendsburg
Anmeldung: service@landesmuseen.sh
Stephan Weinberger, Gabriel Weinberger, Fritz (Fred) Ring, Hans-Joachim David und Jürgen David gehörten zur jüdischen Gemeinde und besuchten die Christian-Timm-Schule. Dort lernten, lachten, spielten sie mit ihren Mitschüler*innen, gehörten dazu – bis die Repressalien sie trafen. Jugendliche der Christian-Timm-Realschule erzählen die Lebensgeschichten der einstigen Schüler*innen anhand der Fragen: Wie erlebten sie ihre Schulzeit? Wie verlief ihr Lebensweg? Und wie geprägt war er von ihren Erfahrungen während der NS-Zeit? Schüler*innen des WPU "Spurensuche" der Christian-Timm-Schule sind den Spuren der fünf ehemaligen Schüler ihrer Schule gefolgt. Daraus sind vier Ausstellungsbanner entstanden, die im Innenhof des Museums gezeigt werden. Sie geben fünf Namen an der dortigen Gedenkwand, eine Geschichte. Die Ausstellungsbanner werden gemeinsam mit der Bürgermeisterin der Stadt Rendsburg, Janet Sönnichsen, sowie Schüler*innen des WPU "Spurensuche" und ihrer Lehrerin Christin Elfriede Greve, eröffnet. Gleichzeitig ist diese Veranstaltung der Startpunkt für das Veranstaltungswochenende Denkmal am Ort. Im Anschluss laden wir zu einem Austausch mit Getränken und Knabbereien. Musikalische Begleitung durch Gerhard Breier, Klarinette/Saxophon.
Sonnabend, 16. Mai, 14 Uhr
Vortrag & Zeitzeugengespräch: "Fritz Niemand, doppelt verfolgt und denunziert"
Oeverseestraße 8, 24768 Rendsburg
Anmeldung: info@denkmalamort.de
Als junger Mann wurde Fritz Niemand in die „Heilanstalt“ Schleswig-Stadtfeld zwangseingewiesen und 1936, auf Basis des Gesetzes zur „Verhinderung erbkranken Nachwuchses“ zwangssterilisiert. Dem Vernichtungslager Meseritz-Obrawalde entkam er knapp. In Rendsburg begann er ein „zweites Leben“. Dabei erfuhr er wie viele andere Überlebende weder Anerkennung seines Leids noch echte Rehabilitation. Zu der Erinnerung kommen Zeitzeug*innen, die von den Jahren nach der NS-Zeit berichten.
Sonntag, 17 Mai, 14 Uhr
Ausstellung: "Hier führten Julius und Frieda Magnus ihr Textilgeschäft"
Rosenstraße 5, 24768 Rendsburg
Anmeldung: info@denkmalamort.de Julius Magnus, geboren in Uelzen, lebte seit 1907 in Rendsburg und war Vorsteher der jüdischen Gemeinde. Gemeinsam mit seiner Frau Frieda, geb. Nathan, führte er ein Textilgeschäft in der Rosenstraße 5. Seit 1933 wurde das Geschäft boykottiert, 1938 „liquidiert“. Ihr Sohn Kurt floh 1937 in die USA. Als das Ehepaar den Deportationsbefehl nach Theresienstadt erhielt, nahm es sich das Leben. Erst im Jahr 1947 wurden beide auf dem jüdischen Friedhof in Westerrönfeld beigesetzt. Eine Erinnerung an ihr Leben und Wirken.
>>>Sonntag, 17 Mai, 16 Uhr
Führung: "Die Familie Ring"
Jüdisches Museum, Prinzessinstraße 7-8, Rendsburg
Anmeldung: service@landesmuseen.sh
9. Oktober 1935. Max Ring begeht Jom Kippur in der Rendsburger Synagoge. Dieses Jahr verbringt er ihn, zum Entsetzen seiner Frau, durchgehend stehend. Als könne er damit den bedrohlichen Entwicklungen in Deutschland etwas entgegensetzen. Sein Sohn Fred Ring wird später schreiben, dass ihn diese Erinnerung bis heute erschauern lässt. Das Jüdische Museum in Rendsburg lädt zu einer Führung, die die Geschichte dieses Ortes mit der Geschichte der jüdischen Gemeinde verbindet. Im Mittelpunkt steht die Familie Ring. Fred Ring, 1921 in Rendsburg geboren, feiert hier 1935 als letzter seine Bar Mitzwa. Er entkommt mit einem Kindertransport, seine Eltern werden ermordet.
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