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Cleo

Berlin, Künstler*in, genderqueer


Sich als queerer und zugleich religiöser Mensch zeigen zu können, hat etwas Heilsames. Schon als Kind war ich davon fasziniert, die Beschaffenheit von Dingen zu untersuchen und etwas in einem kreativen Prozess zu erschaffen. Als Jugendliche fotografierte ich und drehte mit Vorliebe Dokumentationen über Menschen und ihre Lebensweisen. Heute widme ich mich in meinem Studium und in meiner Kunst Menschen und ihren Biographien und versuche Poesie in meine Installationen einfließen zu lassen. Motive wie Trost, seelische Heilung sowie die Kanalisierung von negativen Emotionen und deren Umwandlung in positive sind in meiner künstlerischen Auseinandersetzung zentral. Diese Themen betreffen durchaus auch meine Familiengeschichte. Meine Mutter ist Jüdin, und leider wird der jüdische Teil von ihr meist versteckt und nicht gefeiert. Es ist viel Trauer und Schmerz mit ihrem Jüdischsein verbunden. Deshalb ist es für mich so wichtig, nicht nur das Jüdischsein zu feiern, sondern auch jemanden, der jüdische Freude empfindet.

Die Familie meines Vaters ist schwarz. Unsere Vorfahren wurden versklavt und ihre christliche Religion war Ausdruck einer starken Gemeinschaft und der Kraftschöpfung aus Gott. Der Kontrast von Trauma und Kraft ist in unserer Familie untrennbar mit Religion verknüpft und macht sie für mich zu einem komplizierten und sensiblen Thema. Dennoch bin ich schon von früher Kindheit an ein sehr religiöser Mensch. Mit meinem Glauben kann ich stärker aus allem hervorgehen und Rituale verleihen all dem, was nicht sichtbar, aber trotzdem spürbar ist, Wert und Bedeutung. 

"Für meine Queerness bietet die Religion eine Art Entlastung, eine innere Ruhe und Sicherheit, das sein zu können, was ich bin." 


Gerade in Anbetracht meiner Familiengeschichte ist es für mich von Bedeutung, den Kreislauf von Angst und Schmerz mit Liebe, Behutsamkeit und Selbstbewusstsein zu durchbrechen und zu überwinden und auf diese Weise offene Wunden zu heilen. Keine Angst zu haben, sondern mutig zu sein um meiner selbst willen, ist mir dabei sehr wichtig. Für meine Queerness bietet die Religion eine Art Entlastung, eine innere Ruhe und Sicherheit, das sein zu können, was ich bin. Schon als Kind hatte ich zu Hause sehr viel Freiheit, meinen Glauben selbst zu gestalten. So wählte ich stets frei den religiösen Kontext aus meinem Umfeld, der zu meiner Queerness passt. Dafür braucht es moderne und offene religiöse Gemeinschaften, die queere Menschen nicht aufgrund homofeindlicher Intoleranz oder patriarchaler Strukturen ablehnen. Die Berliner queere Community diskutiert viel, es gibt viel Austausch untereinander und mittlerweile sehr viel mehr Akzeptanz für die verschiedenen Identitäten. Dennoch gibt es vor Antisemitismus oder Rassismus nirgendwo absoluten Schutz. In der christlichen Mehrheitsgesellschaft fehlt meines Erachtens eine kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Religiosität bzw. Positionierung. Die christlichen Traditionen und eine christliche Prägung gelten als kulturelle Norm und werden unabhängig vom persönlichen christlichen Glauben praktiziert. Für eine Veränderung muss sich die Dominanzgesellschaft ihrer Verinnerlichung der christlich-kulturellen Norm zumindest bewusst werden.

Ich komme aus Schweden, habe amerikanische Wurzeln, meine Heimat ist Berlin. Ich bin religiös und jüdisch, ich bin biracial, ich bin queer. In meinem Leben sind mir Vorurteile, Ablehnung, Homofeindlichkeit und Antisemitismus begegnet und ich habe viele Kämpfe ausgestanden. Einige meiner Identitäten haben in meinem Innersten ein Zuhause gefunden, andere weilen noch in meiner inneren Diaspora. Aber ich bin ich und ich umarme all meine Identitäten.

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